Zertifizierter - Energieberater Claus Biederer

Der Energieausweis für Wohngebäude

Energieausweis

Hausbesitzer müssen neuen Mietern und Eigentümern ab 2008 einen Energieausweis für ihr Gebäude vorlegen. Dabei besteht in einer Übergangsfrist bis 1.10.2008 noch die Möglichkeit für alle Gebäudeeigentümer, sich einen preiswerten verbrauchsbasierten Energieausweis erstellen zu lassen. Darauf haben sich die zuständigen Ministerien im Oktober 2006 geeinigt. Der Bundesrat hat am 8.6.2007 der Kabinettsvorlage zur Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEV 2007) mit kleinen Veränderungen zugestimmt. Lesen Sie hier, welche Ausweisvariante für Sie in Frage kommt und was die politische Einigung für Wohnungsverwalter und Vermieter bedeutet.

 

Um den Energieausweis hatten Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) lange gerungen. Hauptsächlich ging es um die Zulassung der beiden denkbaren Varianten eines bedarfs- oder verbrauchsbasierten Energieausweises. Umweltminister Gabriel hatte den Verbrauchsausweis bis zuletzt skeptisch betrachtet. Immobilienverbände lehnten dagegen den Bedarfsausweis als zu teuer ab. Mit dem Bundesratsbeschluss ist jetzt klar, dass sowohl der Bedarfs-, als auch der Verbrauchsausweis zugelassen werden.

Was ist ein Energieausweis?
Energieausweise geben Auskunft über den Energieverbrauch pro Quadratmeter Nutzfläche und Jahr, ähnlich wie wir das schon von Energieeffizienzklassen bei Haushaltsgeräten oder dem Durchschnittsverbrauch von Fahrzeugen kennen. Damit sollen Kaufinteressenten und künftige Mieter eine objektive Information darüber bekommen, ob das Gebäude einen hohen oder einen niedrigen Energiebedarf hat. Die politische Erwartung besteht darin, Gebäude mit schlechten Energiekennwerten kenntlich zu machen, um so den Gebäudeeigentümer zu energetisch wirksamen Modernisierungen zu motivieren.

Wer braucht einen Energieausweis?
Jeder Kauf- oder Mietinteressent für eine Wohnung oder ein Haus hat das Recht auf Vorlage eines gültigen Energieausweises durch den Verkäufer oder Vermieter. Mieter in bestehenden Mietverhältnissen haben keinen Anspruch auf einen Energieausweis. Ein Energieausweis ist immer dann erforderlich, wenn ein Haus oder eine Wohnung verkauft, bzw. neu vermietet wird.

Ab wann ist ein Energieausweis vorzulegen?
Der Bundesrat hat am 8.6.2007 beschlossen: Für Wohngebäude bis Baujahr 1965 werden Energieausweise ab dem 01.07.2008 verpflichtend, für alle anderen Wohngebäude ab dem 01.01.2009. Für Nichtwohngebäude beginnt die Verpflichtung ab dem 01.07.2009.

Welchen Energieausweis benötige ich?
Der Gesetzgeber lässt zwei Varianten zu: den verbrauchs- und den bedarfsbasierten Energieausweis. Ein verbrauchsbasierter Energieausweis kann besonders günstig erstellt werden, weil er aus den bekannten Verbrauchsdaten der Heizkostenabrechnungen der letzten drei Jahre berechnet wird. Beim bedarfsbasierten Energieausweis ist oft eine aufwändigere und deshalb teurere Begutachtung des Gebäudes vor Ort erforderlich. Der Kabinettsbeschluss gibt dem Gebäudeeigentümer folgende Möglichkeiten:

 

Gebäudeart Ausweisart
Neubauten Bedarfsausweis
WohnWohngebäude mit weniger als fünf Wohnungen, für die der Bauantrag vor dem 1.11.1977 gestellt worden ist  Bedarfsausweis
Wohngebäude mit weniger als 5 Wohnungen, wenn sie gemäß dem Standard der Wärmeschutzverordnung von 1977 errichtet oder später auf diesen Stand gebracht worden sind Wahlfreiheit zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis 
Wohngebäude mit mehr als 4 Wohnungen  Wahlfreiheit zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis 
Nichtwohngebäude Wahlfreiheit zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis 
Kleine Gebäude mit weniger als 50 m² sowie denkmalgeschützte Gebäude   kein Energieausweis erforderlich 

 

Welcher Ausweis für welches Gebäude?

- Bedarfsbasierte Energieausweise sind vorgeschrieben für Gebäude mit weniger als fünf Wohnungen, die mit einem Bauantrag vor dem 1. November 1977 errichtet und nicht mindestens auf das Anforderungsniveau der ersten Wärmeschutzverordnung (WSVO) von 1977 modernisiert wurden. Auch wer künftig Mittel aus staatlichen Förderprogrammen zur energetischen Sanierung seines Gebäudes bekommen möchte, muss einen Bedarfsausweis vorlegen.

- Verbrauchsbasierte Energieausweise sind in allen anderen Fällen zulässig. Der Gebäudeeigentümer kann jedoch auch freiwillig einen bedarfsbasierten Energieausweis beauftragen.

- Völlige Wahlfreiheit zwischen beiden Varianten hat der Gebäudeeigentümer in der Übergangsfrist bis 1.10.2008. Unabhängig von Gebäudegröße und Baujahr kann bis Ende September 2008 für jedes Gebäude ein verbrauchsbasierter Energieausweis erstellt werden

Zum 01. Juli 2008 wird der Energieausweis zunächst für Wohngebäude eingeführt, die bis 1965 errichtet worden sind. Ab dem 01. Januar 2009 müssen auch für Wohngebäude nach 1965 Bedarfs Energieausweise ausgestellt werden. Für Nichtwohngebäude und Wohngebäude ab fünf Wohneinheiten gilt generell die Wahlfreiheit zwischen dem Bedarfs- und dem Verbrauchsausweis. Für Wohngebäude mit bis zu vier Wohneinheiten, deren Bauantrag vor dem 1.11.1978 gestellt wurde und die nicht durch spätere Modernisierungsmaßnahmen auf den energetischen Stand der Wärmeschutzverordnung von 1978 gebracht wurden, müssen von Oktober 2008 an Bedarfsausweise ausgestellt werden. Bis zur verpflichtenden Einführung der Energieausweise gilt für alle Gebäude die Wahlfreiheit zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis.

 

 

 

 

Woher bekomme ich einen Energieausweis?
Neutral und Kompetent vom Zertifizierten Energieberater Claus Biederer

Welche Folgen hat ein schlechter Energiekennwert?

Energieausweise dienen lediglich der Information. Das wurde bereits im Sommer 2005 im Energieeinsparungsgesetz ausdrücklich verankert. Kein Gebäudeeigentümer kann bei unzureichenden Kennwerten zur Gebäudemodernisierung gezwungen werden.

Was kostet ein Energieausweis?
- Verbrauchsbasierte Energieausweise für Wohngebäude von mir kosten pro Gebäude nur 78 EURO + Nebenkosten für Registriernummer DIBT 5.19 EURO (zzgl. 19%MwSt.) = 99 EURO.
- Für bedarfsbasierte Energieausweise mit gutachterlicher Aufnahme des Wohngebäudes ist mit Preisen von ca. 350 -450 EURO (je nach Gebäude und Aufwand) und mehr zu rechnen.

Wie lange gilt ein Energieausweis?
Energieausweise haben eine Gültigkeitsdauer von 10 Jahren. Wer dazwischen energetische Verbesserungen seines Gebäudes vornimmt, wird allerdings vor Ablauf von 10 Jahren einen neuen Energieausweis erstellen lassen, um die Vorteile gegenüber Käufern und Mietern auch nachweisen zu können.

Der politische Streit um den richtigen Energieausweis endete in einem Kompromiss. Weder die Wohnungswirtschaft, noch Mieter und Verbraucherverbände konnten sich gänzlich durchsetzen. Dass preiswerte Verbrauchsausweise nun generell bei Gebäudenab fünf Wohnungen zugelassen werden, freut die Wohnungswirtschaft mit ihren überwiegend größeren Gebäuden. Der "kleine" Eigentümer mit nicht modernisiertem Haus wird zum Bedarfsausweis verpflichtet. Das scheint auf den ersten Blick nur eine kleine Hürde zu sein. Tatsächlich sind zwei Drittel des deutschen Gebäudebestandesaber vor 1978 erbaut worden.

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